Am Anfang von Liz Nugents „Kleine Grausamkeiten“ gibt es eine Leiche – die Geschichte beginnt mit einer Beerdigung. Das ist auch das einzige Merkmal, das die Bezeichnung „Kriminalroman“ rechtfertigt. Der Roman ist eine handfeste Familientragödie, in der der Leser bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt wird, wer eigentlich im Sarg liegt. Welcher der …

Irgendwo auf dem Schlachtfeld in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs: Der Bäcker Wilhelm Bettuch nimmt einem Toten den Pass aus der Uniformjacke und kehrt als der Arzt Hans Stern zurück nach Berlin. Hier erkennt niemand, dass er gar nicht der ist, für den alle ihn halten. Mutter, Ehefrau, Geliebte, Kollegen und Freunde bleiben ahnungslos. …

Liebevoller Realismus

In einer Kleinstadt im Sauerland: Der Vater, der in der Schmiede arbeitet. Ein Malocher. Die Mutter, die schneidert, in der Wäscherei hilft, putzen geht und trotzig versucht, für alle das Beste herauszuholen. Das größte Glück ist der Urlaub an der Nordsee. Immer in zweiter Reihe, nie mit Meerblick, denn das Geld ist knapp. Die älteste …

Nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, die letzte Seite gelesen ist, stehen Berta, Bunia, Violetta und Kalina noch einmal in einer Reihe vor mir. Ich möchte etwas trinken, das viele Prozente hat und in der Kehle brennt. Etwas Starkes, das mir hilft, diese Familiengeschichte zu verdauen, damit sie mir nicht mehr so schwer im Magen …

Der Gott der Erinnerungen

Einer meiner Vorsätze für das neue, junge Jahr 2024 ist es, mehr von Yoko Ogawa zu lesen. Bereits der Roman „Insel der verlorenen Erinnerung“ hatte mich vor einigen Jahren auf die preisgekrönte japanische Autorin neugierig gemacht. Jetzt hat mich ein Weihnachtsgeschenk wieder zur Lektüre von Ogawa geführt. Das Paket, das jemand vom Briefkasten durch den …